Mit dem Niedersächsische Minister für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung Herr Grant Hendrik Tonne, mit dem Leitung des Referats „Innovative Technologien zur Digitalisierung von Wirtschaft und Verwaltung“, Dr. Alexander Georgiades und Karsten Noack, Vorstandsvorsitzender der Low-Code Association e.V.

Foto: HENNING SCHEFFEN PHOTOGRAPHY

Pressegespräch German Low-Code-Day 2025

22. Okt. 2025

Herzlich willkommen zum Pressegespräch anlässlich unseres German Low-Code Day 2025. Ich begrüße den Wirtschaftsminister Hendrik Tonne sowie den Leiter des Referats für Digitalisierung und digitale Gesellschaft, Dr. Alexander Georgiades, und Karsten Noack von der Low-Code Association, den Vorstandsvorsitzenden

Frage an Herrn Wirtschaftsminister Tonne:

Herr Tonne, vielleicht können Sie uns zum Anfang zwei Fragen beantworten. Sie haben gerade den Rundgang gemacht, haben gesehen, Low-Code ist wirklich schneller, kostengünstiger, unabhängiger von großen IT-Abteilungen und großen IT-Firmen. Niedersachsen war vor fünf Jahren das erste Low-Code-Land, ist es jetzt seit fünf Jahren. Warum setzt denn Niedersachsen so stark auf Low-Code? Und wie werden die Bürger, die Verwaltung, die Unternehmen das auch spüren und merken?

Antwort von Herrn Wirtschaftsminister Tonne:

Was ich spannend finde, ist, dass sich – möglicherweise eher zufällig – all das, was wir hier an Vorteilen von Low-Code sehen, sehr gut in ein Projekt einfügt, das wir in Niedersachsen seit etlichen Jahren vorantreiben, unter dem Stichwort: schneller, einfacher und günstiger.

Und irgendwie kann man genau dieses Label auch hier darüberlegen, wenn man sich anschaut, was die Vorteile sind. Das konnte man auch beim Rundgang, wie ich finde, sehr überzeugend sehen.

Neben dem schneller, einfacher und günstiger fand ich einen Punkt besonders spannend, nämlich dass wir dadurch die Digitalisierung auch für kleine und mittlere Unternehmen ermöglichen, die ansonsten möglicherweise von ihrer Größe her gar nicht diese Vorteile genießen könnten und gar nicht denselben Weg einschlagen könnten. Das hat etwas mit dem Anspruch zu tun, gleiche Chancen zu eröffnen.

Das finde ich sehr spannend: eine völlig andere Umgebung, in der man sich bewegt, mit, wie ich finde, sehr viel Innovation und Kreativität – und das ist wichtig. Und deswegen ist es, glaube ich, auch richtig, dass man das unterstützt.

Frage an Herrn Wirtschaftsminister Tonne:

Fünf Jahre Low-Code-Land Niedersachsen, gemeinsam mit der Niedersachsen.next Digitalagentur, die das in Niedersachsen vorantreibt: Wenn Sie jetzt einmal in zwei Sätzen Bilanz ziehen sollen – sind wir da auf dem richtigen Weg?

Antwort von Herrn Wirtschaftsminister Tonne:

Ja, wir sind nicht nur auf dem richtigen Weg nach all dem, was man, glaube ich, sieht. Und da darf man selbstbewusst behaupten, dass wir nicht nur mitmarschieren, sondern dass wir vorweglaufen. Und deswegen ist, wenn die Frage ist, ob man auf dem richtigen Weg ist eine niedersächsische Zurückhaltung, die man aber ein bisschen deutlicher formulieren darf.

Frage an Herrn Wirtschaftsminister Tonne:

Welche Hürden sehen Sie dennoch – gerade auch in der Verwaltung, Low-Code einzusetzen, Low-Code umzusetzen und mit der Digitalisierung voranzukommen?

Antwort von Herrn Wirtschaftsminister Tonne:

Ja, eine meiner ersten Fragen, die ich gerade beim Rundgang gestellt habe, war genau die: Was identifiziert man jetzt eigentlich noch als Hürde?

Dann ist immer die Frage der Akzeptanz die Antwort. Was spannend ist, wenn man das hier sieht und dann feststellt, dass man sich immer noch mit Akzeptanzproblemen herumschlagen muss, weil es offenkundig so einfach ist, dass es Außenstehenden als zu einfach erscheint, als dass es auch qualitativ hinterlegt ist. Insofern muss man damit, glaube ich, aufräumen.

Ansonsten gilt – für die Verwaltung und für Unternehmen insgesamt – der Weg, dass Prozesse digitalisiert werden. Das darf nichts mehr sein, wo wir sagen: Das ist nice to have, wer möchte, macht das, sondern ehrlicherweise muss das selbstverständlich sein. Und es muss auch Anspruch und Erwartungshaltung sein, dass wir diesen Weg sehr konsequent weitergehen.

Im Blick auf die Verwaltung: Ehrlicherweise haben die Bürgerinnen und Bürger da eine klare Erwartungshaltung. Da reihe ich mich in die Reihe der Bürgerinnen und Bürger dieses Landes ein und sage: Diesen Dreh müssen wir hinkriegen. Es geht nicht mehr darum, finde ich das gut, möchte ich das – es muss stattfinden

Frage an Herrn Wirtschaftsminister Tonne:

Was sind denn die weiteren Schritte, um das in Niedersachsen so gut wie möglich voranzubringen?

Antwort von Herrn Wirtschaftsminister Tonne:

Also erstens: Wenn man sich diese Veranstaltung hier betrachtet, dann können wir feststellen, dass offensichtlich auch der Punkt der Vernetzung etwas sehr Wertvolles ist, um das auch voranzutreiben. Das sieht man hier sehr eindrücklich.

Dann ist die Frage: Was können wir über Förderung machen? Da ist ja Niedersachsen.next auch mit einem entsprechenden Programm am Start, um dafür den Boden zu bereiten. Es ist immer auch das Ziel, diesen Prozess zu beschleunigen – Plattformen zu haben, Vernetzung zu haben, Förderung zu haben.

Ich finde, das ist eine ganz gute Grundlage auch für Niedersachsen.

Frage an Herrn Dr. Georgiadis:

Vielleicht kann Herr Georgiadis noch ergänzen: Es gibt ja auch Low-Code-Anbieter, die in Niedersachsen ansässig sind, aber insgesamt handelt es sich um ein internationales Ökosystem. Was können wir seitens des Referats für Digitalisierung tun, um diese Anbieter zu unterstützen und sie zugleich in diesem internationalen Ökosystem zu vernetzen?

Antwort von Herrn Dr. Georgiadis:

In erster Linie haben wir natürlich unsere niedersächsische Wirtschaft im Fokus. Das liegt uns natürlich am Herzen.

Dann geht es natürlich auch darum, die Plattformen, die ja auch durchaus international sein können – Oracle APEX haben wir zum Beispiel gehört, das ist eine, die wir als Land auch einsetzen –, in die Unternehmen oder in die Verwaltung zu bekommen, um die Anwendung zu verbreiten.

Und da haben wir – das Thema Förderung ist gerade angeklungen – ein, finde ich, sehr schönes Förderprogramm mit dem Digitalbonus Innovativ, mit dem wir innovative Technologien und die Investitionen, die Unternehmen dort tätigen, auch bezuschussen. Und das ist eben auch für Low-Code möglich, das ist auch für KI möglich.

Und wir haben ja auch vorhin gelernt, dass man Low-Code und KI sehr gut miteinander kombinieren kann. Insofern ist das eigentlich für dieses Förderprogramm prädestiniert. Und ja, wir würden uns auch freuen, wenn das wahrgenommen wird.

Frage an Herrn Noack:

Perfekte Überleitung zu Herrn Noack: Herr Noack, wie ergänzt denn KI die Low-Code-Technologie und umgekehrt?

Antwort von Herrn Noack:

 Es ist so, dass die Möglichkeiten von KI sehr gut zu Low-Code passen – als wäre es dafür erfunden. Nur ahnt das kaum einer. Und daran müssen wir arbeiten, dass wir mehr aufklären, was da möglich ist.

Es gibt eigentlich zwei Schienen hauptsächlich. Das eine ist, dass man das Erstellen von Anwendungssoftware mit Low-Code natürlich durch KI noch einmal unterstützen kann. Also all das, was ein Mensch tut, um eine Anwendung zu entwickeln – Daten modellieren, Prozesse modellieren, Oberflächen gestalten – bei all diesen Dingen kann KI helfen.

Und es ist auch tatsächlich so, dass fast alle Low-Code-Anbieter, auch hier die Aussteller, längst daran arbeiten und an diversen Stellen KI einsetzen, um den Entwicklungsprozess noch einmal zu beschleunigen.

Es gibt aber auch eine zweite Schiene, und die halte ich persönlich für viel interessanter: nämlich, dass man mit Low-Code KI-Anwendungen entwickeln kann – also genau andersherum. Und das hat einfach den Hintergrund, dass Low-Code praktisch mit vorgefertigter Funktionalität arbeitet, die man zusammen konfiguriert. Dadurch ist man so effizient.

Und wenn man jetzt intelligente Anwendungen baut, die KI-Funktionen enthalten sollen, dann braucht man eigentlich nur diese zusätzlichen Bausteine in das System aufzunehmen und ist dann sehr schnell und sehr einfach dabei, Anwendungen intelligenter zu machen.

Und ich persönlich denke, dass es in wenigen Jahren kaum noch Anwendungssoftware der heutigen Art geben wird – also keine „dummen“ Anwendungen mehr –, sondern dass mehr oder weniger jede Anwendungssoftware ein Stück KI enthalten wird.

Frage:

Ich glaube, die Polizei in Niedersachsen hat so etwas schon kombiniert – einen Cyber-Guide für die Cyberkriminalität, um die Vorfallsaufnahme einfacher zu machen, richtig?

Antwort von Herrn Dr. Georgiadis:

Ja, genau. Also das ist nur ein Anwendungsteil von ganz vielen, die wir in der Landesverwaltung schon mit Low-Code gebaut haben.

Ein Beispiel auch aus dem Wirtschaftsministerium: ein engagierter Mitarbeiter – damals war ich noch im Wirtschaftsministerium, deswegen weiß ich das aus erster Hand – hat dort beispielsweise das Fortbildungsmanagement digitalisiert, wo ich jetzt sehe, dass andere Ressourcen noch dabei sind, das weiterhin händisch zu machen.

Da würde ich sagen: Da müssen wir auch noch dran arbeiten, dass wir solche tollen Ansätze, die wir in einzelnen Ministerien mit Low-Code entwickeln, stärker verbreiten. Da werden wir jetzt auch hinterhergehen und das entsprechend vorantreiben.

Aber es zeigt einfach: Es braucht engagierte Mitarbeiter, die offen für diese Technologien sind. Und es braucht die nötige Plattform, um das dann auch in die Tat umzusetzen.

Und da sind wir, glaube ich, auf einem sehr, sehr guten Weg in der Landesverwaltung, auch in der Polizei, aber auch an anderen Stellen. Und diesen Weg wollen wir jetzt noch konsequenter gehen, als wir das bisher schon gegangen sind.

Antwort von Herrn Noack:

Also gerade das Referat Inneres ist hier ziemlich führend. Die wenigsten wissen das. Es gibt sehr viele große Anwendungen – ich weiß es zufälligerweise –, die die Firma Scopeland, von der ich eigentlich komme, gebaut hat.

Es gibt Leuchtturmprojekte im Referat Inneres, die wirklich beeindruckend sind und auch schon seit Jahren laufen. Aber es wird von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, weil es immer noch irgendwie zu exotisch wirkt.

Frage an Herrn Noack:

Aber da nennen Sie ja schon eine ganze Liste von Best-Practice-Beispielen, wenn ich das richtig verstehe. Bei dem Thema stellt sich aber immer auch sofort die Frage nach Datenschutz, Datensicherheit und Datensouveränität. Sie sagen: alles kein Problem?

Antwort von Herrn Noack:

Kein Problem wäre jetzt etwas vereinfacht ausgedrückt. Ich würde sagen, diese Themen sind eigentlich so gelagert, dass die Low-Code-Technologie eher einen Vorteil bieten kann.

Und zwar liegt das einfach daran, dass man – wie ich das vorhin für KI schon gesagt habe – mit vorgefertigter Funktionalität arbeitet. Das heißt, man kann Fragen des Datenschutzes und der Datensicherheit in die Plattform einbauen. Und damit stehen sie dann automatisch allen Anwendungen zur Verfügung.

Und das ist viel sicherer, als wenn ein einzelner Entwickler in der jeweiligen Anwendung immer neu erfinden muss, wie er das einbauen muss. Deswegen denke ich: Das ist eine Stärke – Datenschutz ist eine Stärke von Low-Code. Aber nur dann, wenn die Plattformanbieter es auch richtig machen, natürlich.

Fragen an Herrn Wirtschaftsminister Tonne und an Herrn Dr. Georgiadis:

Niedersachsen gilt als Vorreiter der digitalen Transformation, sowohl bei der Modernisierung der Verwaltung als auch bei der Stärkung der Wirtschaft, insbesondere des Mittelstands. Worin liegt aus Ihrer Sicht der Hintergrund dieses besonderen Engagements, das hier deutlich stärker sichtbar ist als in vielen anderen Bundesländern oder sogar auf Bundesebene?

Antwort von Herrn Wirtschaftsminister Tonne:

Ich würde sagen, es ist zumindest ein Teil dessen, was wir gerade miteinander erörtert haben: dass es angenommen wird und dass man auch das Zutrauen hat, solche Themen dann entsprechend zu fördern.

Wir sehen es im Wirtschaftsbereich, gerade auch im Bereich von Start-ups. Dass es uns gelingt, auch mit den Förderkulissen und den Angeboten, die wir machen, dort ganz offensichtlich den Nerv zu treffen.

Das heißt nicht, dass wir uns deswegen entspannt zurücklehnen, sondern eher, dass man daraus auch den Anspruch formuliert, diese Arbeit weiter mit genau dieser Intensität fortzusetzen.

Dass ein German Low-Code Day hier in Hannover stattfindet, ist gut. Ich finde, das ist dann auch ein Ergebnis all der Anstrengungen, die dahinterstecken. Weiterzumachen ist dann die Devise, weil man damit auch vorne bleibt.

Antwort von Herr Dr. Georgiadis:

Wenn ich ergänzen darf: Was, glaube ich, noch besonders ist an Niedersachsen, ist einfach, dass wir eine klare Strategie haben.

Wir haben unseren Digitalisierungsfahrplan im Februar dieses Jahres veröffentlicht. Wenn man da einmal hineinschaut, dann sieht man, dass wir ganz klar benannt haben, welche Technologien wir in Niedersachsen voranbringen wollen.

Das ist KI, das ist in der Tat Low-Code, das sind immersive Technologien – also XR –, und das ist das Thema Robotik. Wir beschreiben dort auch unsere Maßnahmen, die wir in den kommenden Jahren auf den Weg bringen wollen.

Einer dieser Bausteine ist dann beispielsweise Low-Code, der dort auch klar benannt ist. Aber es sind eben auch viele weitere, die uns auf diesem Weg der digitalen Transformation begleiten.

Ich glaube, dass uns das auch von anderen Bundesländern unterscheidet, dass wir in dieser Klarheit sagen, wohin wir wollen und mit welchen Maßnahmen – auch mit Blick auf Förderung, das wurde ja schon angesprochen – gehen wir diesen Weg ganz konsequent.

Frage an Herrn Wirtschaftsminister Tonne:

Für die Verwaltungsdigitalisierung wäre eine leistungsfähige eigene KI von großer Bedeutung, um unabhängiger von internationalen Anbietern zu werden. Gibt es aus Ihrer Sicht realistische Aussichten auf vergleichbar starke Angebote aus Deutschland oder Europa?

Antwort von Herrn Wirtschaftsminister Tonne:

Ich sage mal, da wäre zunächst die Frage, mit welcher KI wir uns vergleichen wollen – wahrscheinlich ist damit ChatGPT gemeint.

Klar gibt es auch Aktivitäten in Europa, die in diese Richtung gehen. Die sind nicht ganz so leistungsfähig, aber vielleicht etwas sicherer. Ich denke da an Mistral und Ähnliches.

Aber ich glaube, das ist auch heute in dem Vortrag ganz deutlich geworden: Wir müssen schauen, wo wir Anwendungen haben, die kritisch sind. Die müssen dann vielleicht ein sehr hohes Sicherheitsniveau aufweisen. Da muss man dann vielleicht auch darauf achten, dass die Daten möglichst in Deutschland, vielleicht in Europa bleiben.

Und wo gibt es Anwendungen, die komplett unkritisch sind – wo es um Informationsbeschaffung oder Ähnliches geht –, bei denen man dann auch externe Systeme nutzen kann, natürlich entsprechend anonymisiert, da gibt es ja entsprechende Verfahren.

Ich würde deshalb nicht sagen, dass wir nur auf das eine oder das andere System setzen sollten, sondern dass wir einfach vom Anwendungsfall herdenken müssen.

Und wenn wir jetzt in die Landesverwaltung schauen, wie wir das machen, dann achten wir natürlich darauf, dass Lösungen, die zum Beispiel in anderen Bundesländern entwickelt wurden – morgen ist da ja eine Lösung aus Hamburg dabei –, in die Anwendung kommen und dass wir die Daten dann lokal speichern und verarbeiten, sodass wir keinen Datenabfluss haben.

Also es gibt da verschiedene Anknüpfungspunkte, und ich glaube, das wäre der Ansatz, den wir auch verfolgen sollten.

Frage an Herrn Noack:

Vielen Dank. Eine Frage an Karsten Noack: In Ihrer Keynote haben Sie betont, dass KI nicht nur die Entwicklung von Low-Code-Anwendungen erleichtert, sondern umgekehrt auch Low-Code die Entwicklung intelligenter Software ermöglicht. Besteht aus Ihrer Sicht tatsächlich ein wachsender Bedarf an solchen intelligenteren Anwendungen?

Antwort von Herrn Noack:

Ja, das ist, glaube ich, eine sehr interessante Frage.

Den ersten Teil haben wir ja vorhin schon beantwortet, aber die Frage nach dem Bedarf ist wirklich sehr relevant. Ich glaube, dass wir sowohl in der Wirtschaft als auch in der Verwaltung vor einem ganz großen Problem stehen – nämlich vor allem vor Fachkräftemangel und allgemeinem Personalmangel bei gleichzeitig immer stärker anwachsenden Aufgabenspektren.

Das heißt, man muss irgendwie Wege finden, dass Verwaltungstätigkeit effizienter wird.

Und ich wüsste nicht, wie man es anders machen soll. Es gibt eigentlich nur einen Weg: Man muss in die Anwendungssoftware künstliche Intelligenz einbauen, um die Fachverfahren einfacher zu machen.

Und der Bedarf wird definitiv kommen, auch wenn sich viele heute noch gar nicht vorstellen können, wie das funktionieren wird. Aber er wird kommen, weil man es braucht.

Antwort von Herrn Dr. Georgiadis:

Ich möchte noch einen Punkt ergänzen. Denn das eine ist ja sozusagen, die Prozesse zu digitalisieren – mit Low-Code und KI –, das andere ist aber auch, und das hat der Wirtschaftsminister ja zu Beginn schon angesprochen, ‚einfacher, schneller, günstiger‘, dass wir uns natürlich auch die Frage stellen, wie wir Verfahren, die wir schon haben, und Gesetze, die wir schon haben, in vereinfachten Bürokratieabbauverfahren beschleunigen können.

Das heißt, ich würde sagen: Nicht nur das eine oder das andere, sondern beides ist sozusagen der Einfluss. Ja.

Frage für Herrn Wirtschaftsminister Tonne:

Sehr gut. Dann noch eine Frage an Sie, Herr Wirtschaftsminister: Es gab einmal die Initiative Low-Code-Land Niedersachsen. Gibt es diese noch, und was genau können wir uns darunter vorstellen?

Antwort von Herrn Wirtschaftsminister Tonne:

Das richtet sich ja, glaube ich, eher an die Spezialisten hier in dieser Runde. Aber im Kern ist das doch das, was wir vorhin angesprochen haben: nämlich die Frage, wie wir eigentlich Angebote publik machen und miteinander vernetzen können.

Und das findet genau über diese Plattform auch statt: Was gibt es? Wie können wir das miteinander vernetzen? Wie kriegen wir das auch transportiert?

Antwort von Herrn Dr. Georgiadis

Ja, genau. Das ist richtig. Low-Code-Land Niedersachsen war ja im Prinzip der Begriff, den wir 2020 verwendet haben, als wir gestartet sind – damals noch mit 35 Personen bei der ersten Veranstaltung. Da haben wir einen Austausch organisiert. Das hat sich dann in den letzten Jahren ganz gut entwickelt mit mehr Teilnehmenden jetzt.

Die Zielrichtung war aber dieselbe: Anbieter und Anwender von Low-Code zusammenzubringen, um letztendlich in die Umsetzung zu kommen. Und an diesem Ziel hat sich eigentlich bis heute nichts verändert, wenn ich zu Herrn Noack schaue.

Insofern würde ich sagen: Ja, es gibt es noch – und es hat sich sogar weiterentwickelt.

Frage an Herrn Noack:

Ich hätte noch eine abschließende Frage an Herrn Noack: Stehen dem nicht erhebliche Datenschutzherausforderungen entgegen – etwa, dass sensible Daten nicht an externe KI-Dienste wie ChatGPT gelangen dürfen? Das wurde ja eben auch schon einmal angesprochen. Welche organisatorischen oder technischen Lösungen sehen Sie hier?

Antwort von Herrn Noack:

Ja, also ich glaube, ein ganz wichtiger Punkt ist das, was wir schon gestreift haben.

Aber vielleicht noch einmal klarer gesagt: Was wir als Anbieter brauchen, damit wir sichere Systeme mit  künstlicher Intelligenz aufbauen können und überhaupt sinnvoll in Clouds arbeiten können, ist, dass wir Angebote unterschiedlicher Art und Leistungsfähigkeit haben, die aber auch zusammenpassen.

Was wir uns wünschen, ist quasi ein Schalter, der sogar automatisch bedient werden kann: Je nach Kritikalität der Anwendung und je nach Datenschutzlevel der Daten schaltet man entsprechend herunter.

Da, wo die Anforderungen nicht so hoch sind, kann man es vielleicht auch an ChatGPT schicken – mit entsprechendem Vertrauen. Aber es gibt sicherlich auch Daten, die das Haus nicht verlassen sollten, oder zumindest nicht das Bundesland, oder bestenfalls bei einem IT-Dienstleister bleiben sollten.

Und es ist problematisch, wenn diese Systeme nicht kompatibel zueinander sind. Dann müsste jeder Anbieter für jedes System etwas anderes entwickeln. Deshalb sollten die Systeme kompatibel sein.

Man sollte lediglich einstellen können, welches Datenschutzlevel man hat, und davon sollte abhängen, wohin die Anfrage geht. Das ist es, was wir uns wünschen.